S. Wagenschwanz GmbH, Betriebshygiene & Schädlingsbekämpfung

Ratgeber Im Haus, 10 Minuten Lesezeit

Tauben unter der Photovoltaik-Anlage Warum Tauben im Spalt unter den Modulen nisten

Tauben unter Photovoltaik-Modulen sind ein wachsendes Problem auf Wohnhäusern in Hagen und im Sauerland, und sie verschwinden nicht von selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Spalt zwischen Solarmodul und Dachziegel ist warm, trocken und vor Greifvögeln sicher, deshalb nisten Stadttauben dort immer häufiger.
  • Anzeichen sind Gurren ab dem Morgengrauen, Kot auf den Modulen, Nistmaterial in der Rinne und am Traufblech sowie sinkender Ertrag.
  • Attrappen, CDs und Gel auf den Modulen helfen nicht, Gel schadet sogar der Anlage.
  • Dauerhaft hilft nur die Reinigung durch einen Fachbetrieb und danach ein Gitter oder Blech, das den Spalt rundum ohne Bohren verschließt.
  • Töten ist verboten, belegte Nester werden nur nach Absprache und mit Rücksicht auf die Brut entfernt.

Warum Tauben unter Solarmodule ziehen

Photovoltaik-Anlagen auf Schrägdächern werden mit Dachhaken und Schienen einige Zentimeter über den Ziegeln montiert. Dadurch entsteht zwischen Modul und Dachhaut ein Spalt von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern Höhe, der an der Traufe und an den Seiten offen ist. Für eine Stadttaube ist das ein fertiger Nistplatz: Von oben regnet es nicht hinein, die Module wärmen sich tags in der Sonne auf und geben die Wärme nachts nach unten ab, und ein Habicht oder Wanderfalke kommt in den flachen Spalt nicht hinein. Der Ziegel unter dem Modul bleibt trocken, das Nistmaterial bleibt liegen, und niemand stört.

In Hagen, Herdecke, Schwerte und im Dortmunder Süden stehen inzwischen auf vielen Dächern der Siedlungen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren Anlagen, und dort merken Eigentümer als Erste, dass die Tauben vom Bahnhof und aus der Innenstadt die neue Wohnlage entdeckt haben. Tauben sind ortstreu. Ein Paar, das einmal unter den Modulen gebrütet hat, kommt im nächsten Frühjahr wieder und bringt die Jungen aus dem Vorjahr mit. Aus zwei Tieren im ersten Jahr wird so innerhalb weniger Jahre eine ganze Gruppe, die das Dach als Schlaf- und Brutplatz nutzt und auf die Nachbardächer ausweicht, wenn es eng wird.

Woran Sie den Befall bemerken

Das erste Zeichen ist meist das Gurren. Tauben werden mit dem Morgengrauen wach, und unter einem Modul klingt das Gurren durch die Dachhaut bis ins Schlafzimmer, vor allem bei ausgebauten Dachgeschossen mit dünner Dämmung. Dazu kommt ein Scharren und Trippeln auf den Ziegeln. Wer das im Frühjahr zwischen fünf und sieben Uhr hört, sollte einmal von der Straße aus mit dem Fernglas auf die Modulränder schauen: Sitzen dort morgens Tauben in einer Reihe auf der Rahmenkante, ist der Spalt bereits bewohnt.

Die sichtbaren Zeichen kommen etwas später. Auf den Modulen liegen weiße Kotstreifen, die der Regen nicht mehr ganz abwäscht. In der Dachrinne sammeln sich Zweige, Federn und die Kotkrümel der Jungvögel, die Rinne läuft bei Starkregen über, und am Traufblech hängt Nistmaterial heraus. Aus dem Spalt ziehen bei Wärme ein strenger Geruch und Federstaub. In der App des Wechselrichters zeigt sich ein Ertragsverlust einzelner Stränge, weil verkotete Module weniger Licht bekommen und die Zellen darunter heiß werden.

Ein Punkt, den viele nicht mit dem Dach in Verbindung bringen, sind Parasiten. In alten Taubennestern leben Taubenzecken und Vogelmilben. Verlässt die Brut das Nest oder stirbt ein Jungvogel, wandern die Tiere auf der Suche nach einem Wirt durch Ritzen ins Dachgeschoss und stechen nachts. Wer im ausgebauten Dach Stiche bemerkt, ohne ein Insekt zu finden, sollte den Dachbereich auf Nester prüfen lassen. Panik ist nicht nötig, aber die Nester gehören raus, sonst kommt das jedes Jahr wieder.

  • Gurren und Scharren ab dem Morgengrauen, hörbar im Dachgeschoss.
  • Weiße Kotstreifen auf Modulen, Ziegeln und Fensterbänken darunter.
  • Zweige, Federn und Kot in der Dachrinne, Rinne läuft über.
  • Nistmaterial, das am Traufblech oder an der Modulunterkante heraushängt.
  • Ertragsverlust einzelner Stränge in der Anlagenüberwachung.
  • Geruch und Federstaub am Dachrand, Stiche im ausgebauten Dach.

Was der Kot mit Modulen und Dach macht

Taubenkot ist sauer und enthält Harnsäure. Auf dem Glas der Module frisst er sich bei Sonne und Feuchtigkeit in die Antireflexbeschichtung ein, es entstehen matte Flecken, die auch nach dem Reinigen bleiben. Ein verkoteter Bereich auf einer Zelle wirft Schatten, die Zelle wird zum Widerstand für den ganzen Strang und heizt sich auf. Solche Hotspots verkürzen die Lebensdauer des Moduls, im Extremfall reißt das Glas. Dazu kommt der reine Ertragsverlust, weil die verschmutzte Fläche kein Licht mehr in Strom umsetzt.

Unter den Modulen sieht es nicht besser aus. Auf Tonziegeln und Betondachsteinen zerstört der Kot mit der Zeit die Oberfläche, Beton wird sandig, die Glasur der Ziegel wird stumpf. Nistmaterial hält Feuchtigkeit auf dem Ziegel, dann setzt sich Moos an. Am Traufblech und an den Modulhaken aus Aluminium führt der Kot zu Korrosion. Verstopfte Rinnen lassen Wasser hinter die Fassade laufen. Tauben scharren zudem an der Unterspannbahn, wenn sie an sie herankommen, und dann läuft Regenwasser in die Dämmung.

Was gegen Tauben unter Modulen nicht hilft

Plastikeulen, Raben aus Kunststoff und Windräder wirken ein paar Tage. Tauben lernen schnell, dass sich die Figur nicht bewegt oder immer gleich bewegt, und sitzen nach zwei Wochen daneben. CDs und Alufolie an Schnüren glitzern, bis der erste Herbststurm kommt, und stören eher die Nachbarn als die Tiere. Schallgeräte aus dem Baumarkt bringen bei Tauben nichts: Die Tiere gewöhnen sich an den Ton, und im Spalt unter dem Modul kommt er ohnehin nicht an. Wir bieten solche Geräte nicht an und raten davon ab.

Vergrämungsgel oder Pasten auf den Modulrahmen sind eine schlechte Idee. Das Gel verschmiert das Glas, verläuft in der Sommerhitze, sammelt Staub und Federn und kann kleine Singvögel verkleben, die daran hängen bleiben. Auf der Anlage haben solche Stoffe nichts verloren, die Hersteller schließen Schäden durch Fremdstoffe aus der Garantie aus. Auch das Abspritzen mit dem Gartenschlauch vom Boden aus vertreibt nur für den Moment und treibt Wasser unter die Module. Dauerhaft hilft nur, was den Zugang zum Spalt körperlich versperrt.

Reinigen, dann den Spalt schließen

Der erste Schritt ist die Reinigung. Kot und Nistmaterial unter den Modulen entfernt ein Fachbetrieb mit Atemschutz, Handschuhen und Einweganzug, weil trockener Kotstaub Sporen und Keime enthält. Das Material wird angefeuchtet, damit nichts aufwirbelt, mit Spateln und Saugern aus dem Spalt geholt, Ziegel und Rinnen werden gereinigt und die Flächen desinfiziert. Ohne Reinigung zieht der Geruch neue Tauben an, und die Klemmen der Gitter sitzen auf Kotkrusten nicht sauber. Das Material wird als Abfall entsorgt.

Danach wird der Spalt geschlossen. Dafür gibt es Gitter aus Edelstahl oder beschichtetem Stahl und spezielle Bleche, die mit Klemmen am Modulrahmen befestigt werden. Gebohrt wird dabei nicht, weder in den Rahmen noch in die Ziegel, denn eine Bohrung würde die Garantie der Anlage und die Dichtigkeit des Dachs gefährden. Die Klemmen greifen unter die Rahmenkante, das Gitter läuft rundum an allen offenen Seiten, auch an den Stellen zwischen zwei Modulreihen und an den Kabeldurchführungen. Bleibt eine Lücke von der Breite einer Faust, findet die Taube sie.

Vor der Montage stimmen wir uns mit dem Solarteur ab, der die Anlage gebaut hat: Manche Hersteller verlangen bestimmte Klemmen, manche sehen ein Gitter als Eingriff, wenn es die Hinterlüftung einschränkt. Ein Gitter mit ausreichend großer Maschenweite lässt die Luft durch, hält aber die Tauben draußen. Dachrand, First und Kamin, auf denen die Tiere nach dem Verschluss sitzen bleiben, bekommen Spikes aus Edelstahl. Bei Hallendächern mit großen Anlagen werden Netze gespannt, weil sich Gitter dort nicht durchgehend anbringen lassen. Wie Spikes und Netze im Einzelnen eingesetzt werden, steht auf unserer Seite zur Taubenabwehr an Dach und Fassade.

Tierschutz und Brutzeit beachten

Stadttauben stehen unter dem Tierschutzgesetz. Töten, Vergiften oder Verletzen ist verboten, und es wäre auch sinnlos, weil der freie Platz unter den Modulen am nächsten Tag von der nächsten Taube besetzt wird. Erlaubt ist die Abwehr, die das Landen und Nisten verhindert, und so arbeiten wir. Gitter und Bleche werden so gesetzt, dass sich kein Tier darin verfangen kann, Spikes sind stumpf und halten die Vögel nur vom Landen ab.

Tauben brüten fast das ganze Jahr, mit Schwerpunkt von März bis September, und ein Paar zieht mehrere Bruten nacheinander hoch. Ein Nest mit Eiern oder Küken wird nicht einfach entfernt. Der Techniker prüft vor der Reinigung, ob Nester belegt sind. Sind Jungvögel drin, sprechen wir das Vorgehen mit Ihnen ab: Häufig wird die Anlage in Abschnitten verschlossen, der belegte Bereich bleibt offen, bis die Jungen flügge sind, und wird dann als Letztes gereinigt und geschlossen. Das dauert etwas länger, spart aber Ärger mit Nachbarn und Behörden.

Wer beauftragt und was Neubauten brauchen

Beim Einfamilienhaus ist es einfach: Der Eigentümer der Anlage beauftragt. Beim Mehrfamilienhaus hängt es davon ab, wem die Anlage gehört. Gehört sie dem Hauseigentümer oder der Eigentümergemeinschaft, läuft der Auftrag über die Hausverwaltung, die Reinigung und Verschluss als Instandhaltung des Gemeinschaftseigentums behandelt. Mieter, die morgens das Gurren hören oder Stiche bemerken, zeigen den Mangel dem Vermieter an (BGB § 536c), zuständig für die Beseitigung ist der Vermieter (BGB § 535 Abs. 1). Gehört die Anlage einem Betreiber, der das Dach gepachtet hat, ist der Betreiber der Ansprechpartner, und der Pachtvertrag regelt, wer zahlt.

Wer eine neue Anlage plant, sollte den Schutz gleich mit bestellen. Ein Gitter, das der Solarteur bei der Montage mit anbringt, kostet einen Bruchteil dessen, was Reinigung und Nachrüstung später kosten, und die Anlage ist vom ersten Tag geschützt. Das gilt vor allem in Stadtlagen mit hohem Taubendruck, etwa im Dortmunder Süden rund um Hörde und Aplerbeck oder in den Ortslagen an der Ruhr in Herdecke und Wetter, wo Brücken und Bahnanlagen ohnehin viele Tauben halten. Fragen Sie den Solarteur nach einem für Ihr Modul freigegebenen Gittersystem.

Für Reinigung und Verschluss gilt bei uns ein Festpreis je Termin, getrennt nach Reinigung und Montage. Wie viele Termine nötig werden, entscheiden der Befall und die Größe der Anlage. Bei größeren Objekten sehen wir uns die Sache auf Wunsch vorher an und machen ein Angebot. Am Telefon klären wir, was zu tun ist, was der erste Termin kostet und wann ein Termin möglich ist. Für Privathaushalte sind 20 Prozent der Arbeitskosten nach EStG § 35a absetzbar, Rechnung und Überweisung sind Voraussetzung. Fotos vom Dachrand per WhatsApp helfen uns bei der Einschätzung.

Rechtslage in Kürze

  • Stadttauben dürfen nicht getötet, vergiftet oder verletzt werden; erlaubt ist nur die Abwehr, die Landen und Nisten verhindert. (TierSchG § 1)
  • Mieter zeigen Taubenbefall am Dach dem Vermieter an. (BGB § 536c)
  • Die Beseitigung eines akuten Befalls am Gebäude ist Instandhaltung und Sache des Vermieters. (BGB § 535 Abs. 1)
  • Privathaushalte können 20 Prozent der Arbeitskosten steuerlich absetzen, nur mit Rechnung und Überweisung. (EStG § 35a)

Diese Punkte fassen die Gesetzeslage zusammen und ersetzen keine Rechtsberatung. Im Einzelfall entscheiden Behörde oder Gericht.

Häufige Fragen dazu

Kann ich die Tauben unter den Solarmodulen selbst vertreiben?

Vertreiben dürfen Sie, verletzen nicht. In der Praxis scheitert es am Dach: Der Spalt ist nur mit Gerüst oder Hubarbeitsbühne sicher zu erreichen, und der Kotstaub gehört nicht in die Lunge. Leere Nester dürfen Sie entfernen, belegte nicht. Ein Gitter, das nicht rundum dicht sitzt, bringt nichts, die Tauben finden jede Lücke. Deshalb lohnt es sich, Reinigung und Verschluss in einem Zug vom Fachbetrieb machen zu lassen.

Schadet das Gitter der Photovoltaik-Anlage oder der Garantie?

Ein Klemmsystem greift nur am Rahmen, es wird nichts gebohrt und nichts geklebt, der Modulrahmen bleibt unverändert. Die Hinterlüftung bleibt durch die Maschen erhalten. Trotzdem sprechen wir vor der Montage mit dem Solarteur oder dem Hersteller, weil manche Garantiebedingungen Anbauteile regeln. Wer das vorher klärt, hat später keine Diskussion, wenn ein Modul aus anderen Gründen ausfällt.

Muss die Anlage für die Reinigung abgeschaltet werden?

Für die Arbeiten am Rand der Module und unter den Modulen ist das in vielen Fällen nicht nötig, weil niemand an Steckern oder Kabeln arbeitet. Werden Module gereinigt oder liegen Kabel im Arbeitsbereich, sprechen wir das mit Ihnen oder dem Solarteur ab. Elektrische Arbeiten an der Anlage machen wir nicht, das bleibt beim Elektriker. Unser Teil ist Kot, Nistmaterial, Gitter und Spikes.

Reicht es, die Module reinigen zu lassen?

Nein. Eine Reinigung ohne Verschluss des Spalts hält bis zur nächsten Brut, dann sitzt alles wieder voll. Tauben sind ortstreu und kommen an den bekannten Platz zurück. Umgekehrt ist ein Gitter auf ungereinigtem Untergrund auch nicht sinnvoll, weil der Geruch weiter lockt und Parasiten im alten Nistmaterial bleiben. Beides zusammen, in dieser Reihenfolge, ist der Weg, der über Jahre Ruhe bringt.

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