Das Wichtigste in Kürze
- Gift beseitigt die Tiere, die gerade da sind; offene Zugänge holen die nächsten nach. Abdichten gehört zu jeder Bekämpfung.
- Die häufigsten Einstiege: Bodenablauf ohne Rückstauklappe, Kellerfenster ohne Gitter, Durchführungen mit Bauschaum, Garagentor mit Spalt.
- Was hält: Edelstahlgewebe, Stahlwolle mit Mörtel, Bürstenleisten aus Edelstahl, Rückstauklappe mit Rattenschutz. Bauschaum und Kunststoff halten nicht.
- Futter weg: Kompost schließen, Vogelfutter begrenzen, Tierfutter in Metalltonnen, Müllstandplatz gepflastert und geschlossen.
- Der Fachbetrieb liest die Spuren, benennt die Zugänge, verschließt kleine Stellen beim Termin und stellt Stationen erst, wenn dicht ist.
Warum Abdichtung zu jeder Bekämpfung gehört
Wer Ratten im Keller hat, denkt zuerst an Köder. Verständlich, aber das Gift beseitigt nur die Tiere, die gerade da sind. Der Weg, über den sie gekommen sind, bleibt offen. Aus dem Kanal, von der Böschung oder vom Müllstandplatz der Nachbarn ziehen die nächsten nach, sobald der Platz frei ist. Deshalb gehört zu einer ernsthaften Rattenbekämpfung immer der zweite Schritt: die Zugänge finden und dauerhaft verschließen. Ohne diesen Schritt kauft man sich nur eine Pause, und die nächste Rechnung kommt im Herbst.
Das gilt nach einer Bekämpfung genauso wie ohne akuten Befall. Wer in der Nähe von Volme, Lenne, Ennepe oder Ruhr wohnt oder eine Wohnanlage mit großem Müllstandplatz verwaltet, hat die Tiere ohnehin im Umfeld. Die Frage ist nur, kommen sie ins Gebäude. Ein Rundgang ums Haus mit offenen Augen dauert eine Stunde und zeigt die meisten Schwachstellen. Die Reihenfolge unten folgt dem Weg, den eine Wanderratte nimmt: vom Kanal in den Keller, durch Durchführungen und Tore, an Futterquellen vorbei und an der Fassade hinauf.
Wichtig für die Erwartung: Ratten vorbeugen heißt nicht, ein Haus rattensicher zu bauen. Es heißt, die zehn oder zwanzig Stellen zu kennen, an denen ein Tier mit wenig Aufwand hineinkommt, und diese Stellen so zu verschließen, dass Nagen nicht mehr reicht. Eine Wanderratte passt durch ein Loch von zwei Zentimetern, eine Hausmaus durch einen Spalt von sechs bis sieben Millimetern. Wer diese Maße im Kopf hat, sieht sein Haus am Sockel und im Keller mit anderen Augen.
Der Weg vom Kanal in den Keller
Der häufigste Einstieg im Ruhrgebiet und im Märkischen Sauerland ist der Kanal. Wanderratten leben im Abwassernetz und kommen über Hausanschlüsse in Gebäude, sobald dort etwas offen steht. In Zechen- und Gründerzeithäusern mit Bruchsteinkeller, wie sie in Hagen, Wetter, Herdecke und in Bochum stehen, sind die Anschlüsse oft noch aus Steinzeug, teils gebrochen oder an den Muffen undicht. Aus einem gebrochenen Rohr unter der Bodenplatte gräbt sich eine Ratte durch den losen Untergrund direkt in den Keller. Man sieht dann Erde an der Wand oder ein faustgroßes Loch neben dem Fundament.
Der zweite Weg ist der Bodenablauf im Keller. Ein Ablauf ohne Rückstauklappe ist eine offene Tür in den Kanal. Ratten schwimmen und tauchen gut, ein Geruchsverschluss mit Wasser hält sie nicht auf. Dasselbe gilt für alte Waschküchenabläufe, stillgelegte Toiletten im Keller und Bodeneinläufe in Garagen, die an die Schmutzwasserleitung angeschlossen sind. Eine Rückstauklappe mit Rattenschutz oder ein fest verschraubter Edelstahlrost mit enger Maschung schließt den Weg. Beides gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, die ein Haus bekommen kann.
In Hanglagen kommt ein dritter Punkt dazu. Häuser an den Hängen von Hagen, Hemer, Altena und in den Hanglagen von Menden haben auf der Bergseite oft Lichtschächte, deren Rost auf Bodenhöhe liegt. Zwischen Rost und Rahmen bleibt ein Spalt, das Kellerfenster darunter ist gekippt oder hat einen kaputten Riegel. Laub im Schacht bietet Deckung. Kellerfenster ohne Gitter sind in solchen Lagen die zweithäufigste Fundstelle nach dem Ablauf. Ein Edelstahlgitter im Schacht und ein Fenster, das wirklich schließt, kosten wenig und schließen die Lücke dauerhaft.
Durchführungen, Tore und Türen
Jedes Rohr und jedes Kabel, das durch die Außenwand geht, hat ein Loch, das größer ist als das Rohr. Beim Bau wird mit Bauschaum gefüllt oder gar nicht. Bauschaum nagt eine Ratte in einer Nacht durch. Typische Stellen: der Hausanschlussraum mit Strom, Wasser und Telefon, die Durchführung der Wärmepumpenleitungen, das Kondensatrohr der Heizung, Leerrohre für Gartenstrom, alte Ölleitungen zum stillgelegten Tank. Auch die Zuluft der Heizung und Lüftungsöffnungen im Sockel gehören auf die Liste, wenn kein enges Gitter davor sitzt.
Bei Garagentoren ist der Spalt unten das Problem. Sektionaltore und Schwingtore haben eine Gummilippe, die nach einigen Jahren rissig oder abgefahren ist, an den Seiten bleibt ein Dreieck offen. Ein Garagentor, hinter dem es zum Keller weitergeht oder über eine Nebentür in den Hausflur, ist damit ein direkter Weg ins Haus. Dasselbe gilt für Kellertüren nach außen, Türen zum Müllraum in Wohnanlagen und Hoftore mit Schleppspalt. Eine Bürstenleiste aus Edelstahl oder eine Bodenschwelle aus Metall schließt den Spalt, ohne dass das Tor hakt.
- Hausanschlussraum: Durchführungen von Strom, Wasser, Telefon und Glasfaser prüfen, Bauschaum ersetzen.
- Heizung: Kondensatablauf, Zuluftöffnung und alte Öl- oder Gasleitungen zum Keller kontrollieren.
- Garagentor: Gummilippe unten, die Ecken links und rechts und die Nebentür zum Haus ansehen.
- Kellertür und Müllraumtür: Schleppspalt am Boden messen, Türblatt unten auf Nagespuren prüfen.
- Lüftungsöffnungen im Sockel und in Kellerwänden: Gitter mit Maschen unter einem Zentimeter setzen.
Futterquellen rund ums Haus
Ratten bleiben, wo sie fressen. Ein Haus mit dichtem Keller, aber offenem Kompost hat die Tiere trotzdem im Garten, und von dort suchen sie weiter. Der klassische Fall ist der offene Komposthaufen mit Essensresten, gekochten Speisen oder Brot. Ein geschlossener Komposter mit Bodengitter und ohne Küchenabfälle entzieht die Grundlage. Fallobst, das wochenlang liegt, zählt ebenfalls. Vogelfutter am Futterhaus landet zur Hälfte auf dem Boden und ist im Winter die verlässlichste Nahrungsquelle für Ratten in Wohngebieten.
Hühner, Kaninchen und Meerschweinchen im Garten ziehen Nager fast zwangsläufig an. Das Futter steht offen, Körner fallen durch den Rost, und der Stall bietet Wärme. Futter gehört in Metalltonnen mit Deckel, der Futterplatz wird abends geleert, und der Stallboden bekommt ein Edelstahlgewebe unter dem Holz oder der Erde. Wo Ratten am Stall sind, sitzen oft auch Mäuse im Futterlager, und die brauchen kleinere Stationen und andere Köder als Ratten.
In Wohnanlagen ist der Müllstandplatz die Adresse Nummer eins. Überfüllte Biotonnen, Säcke neben den Containern, Sperrmüll, der Wochen wartet, und ein Standplatz auf Erde statt auf Pflaster: Hier entsteht eine Kolonie mit Bau direkt unter den Tonnen. Zuständig für den Zustand des Platzes ist der Eigentümer oder die Hausverwaltung. Was hilft: geschlossene Tonnen mit intakten Deckeln, eine gepflasterte oder betonierte Fläche ohne Randspalt, eine Einhausung mit Bodenanschluss, ein Abfuhrrhythmus, der zur Belegung passt, und ein Hausmeister, der Fehlwürfe anspricht.
Kletterhilfen an der Fassade
Wanderratten klettern besser, als viele denken, Hausratten noch besser. Ein Fallrohr an einer rauen Klinkerwand reicht als Leiter bis zur Dachrinne. Von der Rinne geht es unter die erste Ziegelreihe, in die Dämmung des Dachs oder über den Anbau aufs Flachdach und durch die Lüftung der Küche ins Haus. Efeu, Wilder Wein und Spalierobst an der Fassade sind noch bequemer: Deckung und Griff in einem. In Zechenhäusern mit Anbauten und Schuppenreihen im Hof kommt man von Dach zu Dach, fast ohne den Boden zu berühren.
Was hilft: Efeu vom Dachansatz und von den Fenstern fernhalten, Fallrohre mit einem Rattenschutzblech oder einer glatten Manschette von einem halben Meter versehen, Dachrinnen frei von Laub halten, damit kein Nest entsteht. Lüftungsziegel, offene Traufkästen und Löcher hinter der Regenrinne mit Edelstahlgewebe hinterlegen. Bei Flachdächern die Attika-Abdeckung und die Kabeldurchführungen für Klimageräte prüfen. Wer im Dach Trippeln hört, sollte auch an Marder oder Mäuse denken; die Spuren unterscheidet der Techniker vor Ort.
Was Eigentümer selbst dicht machen können
Vieles am Rundgang lässt sich mit Baumarktmaterial erledigen, wenn das richtige gewählt wird. Grundregel: Ratten nagen durch alles, was weicher ist als ihre Zähne. Bauschaum, Silikon, Holz, Kunststoff und Aluminiumgewebe halten nicht. Was hält: Edelstahlgewebe mit Maschen unter einem Zentimeter, Stahlwolle als Füllung in Kombination mit Mörtel, Zementmörtel oder Reparaturmörtel, verzinkte Bleche oder Edelstahlbleche, Bürstenleisten mit Edelstahlborsten. Für Abläufe gibt es Rückstauklappen mit Rattenschutz zum Nachrüsten, die ein Installateur in kurzer Zeit einsetzt.
Bei Durchführungen die Öffnung zuerst mit Stahlwolle oder Edelstahlgewebe ausstopfen und dann mit Mörtel überziehen. Nur Mörtel bröselt, nur Gewebe wird herausgezogen, beides zusammen hält. Lüftungsöffnungen bekommen ein Gitter, das mit Schrauben und Dübeln befestigt ist, nicht nur eingesteckt. Kellerfenster bekommen ein Gitter im Lichtschacht oder direkt vor der Scheibe. Beim Garagentor die Gummilippe tauschen und die Ecken mit Winkelblechen schließen. Nach dem Verschließen ein Stück Papier oder etwas Mehl vor die Stelle legen: Wird es in den nächsten Nächten verschoben, ist noch ein Weg offen.
- Edelstahlgewebe mit Maschenweite unter einem Zentimeter für Lichtschächte, Lüftungen und Durchführungen.
- Stahlwolle plus Zementmörtel für Löcher und Risse im Sockel und rund um Rohre.
- Bürstenleiste mit Edelstahlborsten oder Bodenschwelle aus Metall für Tore und Türen.
- Rückstauklappe mit Rattenschutz für Bodenabläufe im Keller, Einbau durch den Installateur.
- Metalltonnen mit Deckel für Tierfutter und ein geschlossener Komposter mit Bodengitter.
Was der Fachbetrieb übernimmt
Was am Rundgang nicht zu sehen ist, ist der Kanal selbst. Einen gebrochenen Hausanschluss zeigt erst eine Kamerabefahrung durch einen Kanalfachbetrieb; wir sagen Ihnen nach der Befallskontrolle, wenn die Spuren dafür sprechen. Auch der Abstand der Fundstellen zu Gewässern und Abläufen spielt eine Rolle, weil Köderstationen mit Gift dort nicht stehen dürfen. Der Techniker liest Laufwege, Schmierspuren und Kot, erkennt daran den Einstieg und trennt zwischen Ratten, Mäusen und Marder. Daraus ergibt sich, welche Stellen zuerst dicht gemacht werden.
Kleine Durchführungen, Lüftungsgitter und offene Ecken verschließen unsere Techniker beim Termin mit Stahlwolle, Mörtel und Edelstahlgewebe. Größere Arbeiten wie Rückstauklappen, neue Kellerfenster oder Pflasterarbeiten am Müllstandplatz benennen wir Ihnen für den Installateur oder den Bauunternehmer. Bei aktivem Befall stellen wir verschlossene Köderstationen und Schlagfallen an den Laufwegen, und zwar erst, wenn die Zugänge gesichert sind, sonst füttern wir nur den Kanal. Jeder Termin hat einen festen Preis. Wie viele Termine nötig werden, entscheidet der Befall.
Für Hausverwaltungen und Betriebe machen wir aus dem Rundgang eine Liste mit Foto, Stelle und Priorität, die sich an Handwerker und Eigentümerversammlung weitergeben lässt. Bei größeren Objekten sehen wir uns die Sache auf Wunsch vorher an und machen ein Angebot. Nach der Bekämpfung bleiben auf Wunsch giftfreie Kontrollstationen am Müllstandplatz und im Keller, damit ein neuer Zulauf früh auffällt. Wer den Rundgang gemeinsam mit uns gehen möchte, findet alle Kontaktwege auf einer Seite; telefonisch erreichen Sie uns unter 02331 / 90 29 16.
Rechtslage in Kürze
- Dauerbeköderung mit Gift ohne festgestellten Befall ist untersagt, seit 01.07.2026 ohne Ausnahme. Vorbeugung läuft deshalb über Abdichtung und giftfreie Kontrollstationen. (Biozid-Verordnung (EU) 528/2012, Zulassungsauflagen)
- Bei vermieteten Objekten ist die akute Bekämpfung Instandhaltung und Sache des Vermieters; Mieter zeigen den Befall an. (BGB § 535 Abs. 1, BGB § 536c)
- Laufende Ungezieferbekämpfung, etwa Kontrollstationen am Müllstandplatz, kann als Betriebskosten umgelegt werden. (BetrKV § 2 Nr. 9)
- Privathaushalte setzen 20 Prozent der Arbeitskosten bis 4.000 Euro im Jahr ab, mit Rechnung und Überweisung. (EStG § 35a)
Diese Punkte fassen die Gesetzeslage zusammen und ersetzen keine Rechtsberatung. Im Einzelfall entscheiden Behörde oder Gericht.
