Das Wichtigste in Kürze
- Fliegen im Betrieb sind ein Hinweis auf einen Brutplatz: Abfall, Abfluss, Leergut oder ein totes Tier.
- Die Fliegenart verrät, wo gesucht werden muss: Schmeißfliegen deuten auf Fleisch oder Kadaver, Fruchtfliegen auf Gärung, Abflussfliegen auf Biofilm.
- Den Brutplatz beseitigen ist die eigentliche Bekämpfung, Lichtfallen fangen den Rest und liefern Zahlen für die Eigenkontrolle.
- UV-Lichtfallen hängen nicht über offenen Lebensmitteln, nicht in Fensternähe und nicht sichtbar von außen; die Röhre wird jährlich getauscht.
- Für Lebensmittelbetriebe gehört der Schutz vor Schädlingen zur Eigenkontrolle nach VO (EG) 852/2004 Anhang II Kapitel IX.
Warum Fliegen im Betrieb mehr als ein Ärgernis sind
Eine Fliege, die im Gastraum über den Tisch läuft, kostet keinen Gast. Ein Dutzend Fliegen an der Scheibe der Metzgerei kostet Kunden, und in der Bäckerei fallen sie dem Kontrolleur der Lebensmittelüberwachung als Erstes auf. Fliegen sitzen vorher auf Kot, auf Abfall und auf Kadavern. Was daran haftet, tragen sie auf Brötchen, Hackfleisch und Salatbuffet. Dazu kommt ihr Verhalten beim Fressen: Sie geben Speichel ab und saugen die gelöste Nahrung wieder auf, Keime wandern so direkt auf das Lebensmittel. In Pflegeeinrichtungen kommt hinzu, dass Bewohner mit schwachem Immunsystem empfindlicher auf Keime reagieren als gesunde Erwachsene.
Der häufigste Fehler im Betrieb ist, die Tiere zu bekämpfen statt die Ursache. Fliegenspray am Abend, am nächsten Tag sitzen wieder zwanzig an der Scheibe. Der Grund ist einfach: Ein Fliegenweibchen legt mehrere hundert Eier, und aus einer Biotonne in der Sonne schlüpfen innerhalb weniger Tage neue Generationen. Solange der Brutplatz besteht, ist jede Bekämpfung der erwachsenen Tiere ein Hinterherlaufen. Wer zuerst fragt, welche Fliege es ist und wovon sie lebt, findet den Brutplatz in den meisten Fällen nach kurzer Suche. Danach messen Lichtfallen, ob die Maßnahme gewirkt hat, und liefern die Zahlen für die Dokumentation.
Fünf Fliegenarten und was sie verraten
Die Stubenfliege ist grau, sechs bis acht Millimeter lang und sitzt an Fenstern, Lampen und auf allem Essbaren. Sie brütet in feuchtem organischem Abfall: Restmüll mit Speiseresten, Biotonne, Misthaufen, Kompost, verschütteter Futterbrei im Stall. Viele Stubenfliegen im Verkaufsraum bedeuten, dass in der Nähe Abfall zu lange steht oder zu warm lagert, im eigenen Müllraum oder auf dem Nachbargrundstück. Die Schmeißfliege ist größer, metallisch blau oder grün und laut. Sie legt ihre Eier in Fleisch, Fisch und Kadaver. Tauchen in einem Raum plötzlich viele Schmeißfliegen auf, liegt meist ein totes Tier in Zwischendecke, Lüftungskanal oder Kamin, oder Fleischabfall ist in eine Ritze gefallen oder hängt in einem verstopften Abfluss. In Metzgereien ist sie das größte Fliegenproblem.
Die Fruchtfliege, zwei bis drei Millimeter klein mit roten Augen, schwebt über Obst, Wein und Bier. Sie brütet in allem, was gärt: angeschlagenes Obst in der Auslage, Saftreste in Pfandflaschen, die Tropfschale unter der Zapfanlage, Bierleitungen, die nicht gespült wurden, Spüllappen und der Bodenablauf hinter der Bar. Im Lebensmittelhandel ist das Leergutlager der Klassiker, in der Gastronomie die Zapfanlage. Fruchtfliegen vermehren sich in beheizten Räumen das ganze Jahr, ihre Entwicklung vom Ei zur Fliege dauert bei Zimmertemperatur etwa zehn Tage. Wer die Gärquelle findet und beseitigt, sieht nach kurzer Zeit keine Tiere mehr.
Die Abflussfliege, auch Schmetterlingsmücke genannt, ist klein, dunkel und pelzig und sitzt regungslos an Fliesen, bis sie träge auffliegt. Ihre Larven leben im Biofilm von Bodenabläufen, Fettabscheidern, Kondensatwannen und selten benutzten Waschbecken. Sie zeigt an, dass ein Abfluss lange nicht mechanisch gereinigt wurde oder Wasser irgendwo steht, etwa unter einer Kühltheke. Die Bohrfliege dagegen brütet nicht im Betrieb. Ihre Larven kommen im Obst mit der Ware herein, in Kirschen, Pflaumen oder Walnüssen. Wer Bohrfliegen oder ihre Maden in der Obstabteilung findet, hat ein Wareneingangsproblem und keinen Brutplatz im Haus. Die Lieferung wird aussortiert und dem Lieferanten gemeldet.
- Stubenfliege: Abfall, Biotonne, Mist, Kompost, Speisereste.
- Schmeißfliege: Fleisch, Fisch, totes Tier, verstopfter Abfluss mit Fleischresten.
- Fruchtfliege: Obst, Getränkereste, Zapfanlage, Leergut, Spüllappen.
- Abflussfliege: Biofilm in Bodenabläufen, Fettabscheidern und Kondensatwannen.
- Bohrfliege: Larven kommen mit dem Obst vom Lieferanten, kein Brutplatz im Betrieb.
Den Brutplatz finden statt Fliegen zu zählen
Die Suche beginnt dort, wo die Fliegen am dichtesten sitzen, und folgt dann der Nase. Bei Stubenfliegen führt der Weg in den Müllraum, zur Biotonne, zum Container hinter dem Laden und zu den Speiseresten unter Regalen, Theken und Spülmaschinen. Bei Schmeißfliegen zählt der Raum, in dem sie zuerst auftauchten: Dort wird die Zwischendecke geöffnet, der Lüftungskanal geprüft und jeder Abfluss aufgeschraubt. Bei Fruchtfliegen zeigt ein Blick in Leergutkisten, Tropfschalen und Bodenabläufe der Bar meist schnell, wo es gärt. Abflussfliegen verraten sich, wenn ein Klebestreifen über Nacht über den Abfluss geklebt wird: Sitzen morgens Tiere darauf, ist der Ablauf die Quelle.
Weiße Maden sind der Beweis. Wer sie sieht, hat den Brutplatz gefunden und braucht nicht weiterzusuchen. Die Bekämpfung besteht dann darin, das Material zu entfernen, die Fläche zu reinigen und die Puppen im Umfeld mitzunehmen, denn Fliegenlarven wandern vor der Verpuppung einige Meter weit und verkriechen sich unter Matten, in Fugen und hinter Sockelleisten. Bei Abflüssen hilft heißes Wasser allein nicht: Der Biofilm wird mechanisch mit Bürste oder Spirale entfernt, danach ein Reiniger eingesetzt, der organische Reste abbaut. Erst wenn der Brutplatz weg ist, machen Fallen Sinn. Vorher fangen sie jeden Tag Nachschub und verschleiern, wie groß das Problem tatsächlich ist.
UV-Lichtfallen richtig aufhängen
Eine UV-Lichtfalle besteht aus einer oder mehreren Röhren, die ultraviolettes Licht abgeben, und einer Klebefolie dahinter. Fliegen steuern auf das Licht zu und bleiben auf der Folie hängen. Es gibt kein Insektizid, nichts verdampft, und im Gegensatz zu elektrischen Gittern zerplatzen die Tiere nicht. Genau deshalb sind Klebefolienfallen in Räumen mit Lebensmitteln der Standard und Hochspannungsgitter dort fehl am Platz: Beim Zerplatzen fliegen Bruchstücke bis zu einem Meter weit. In der Produktion, im Verkaufsraum und in der Küche gehört die Folienfalle hin, das Gitter höchstens in den Müllraum oder ins Lager ohne offene Ware.
Der Standort entscheidet über die Wirkung. Die Falle hängt dort, wo Fliegen hereinkommen und sich sammeln, also nahe der Tür in Richtung Innenraum, im Flur zur Küche, über dem Weg zum Müllraum, in Höhe von etwa zwei Metern, weil Stubenfliegen dort ruhen. Sie hängt nicht über offenen Lebensmitteln und nicht über Arbeitsflächen, weil Tiere von der Folie fallen können. Sie hängt nicht am Fenster, weil Tageslicht heller ist als jede Röhre, und nicht so, dass sie von außen sichtbar ist, sonst lockt sie nachts Insekten von draußen an die Scheibe. Eine Falle direkt neben einer hellen Deckenleuchte fängt ebenfalls schlecht, weil das Licht konkurriert.
Die Röhre verliert im Betrieb ihre UV-Leistung, auch wenn sie noch leuchtet. Nach einem Jahr Dauerbetrieb fängt sie sichtbar weniger. Deshalb wird sie einmal im Jahr getauscht, sinnvoll vor der Saison im Frühjahr. Die Klebefolie wird gewechselt, wenn sie voll ist, spätestens bei jedem Kontrolltermin, und vorher ausgezählt. Genau diese Zählung macht die Falle zum Monitoring: Wie viele Stubenfliegen, wie viele Fruchtfliegen, wie viele Schmeißfliegen hingen an welchem Standort. Steigt eine Zahl, gibt es einen neuen Brutplatz oder eine offene Tür. Sinkt sie nach einer Beseitigung, hat die Maßnahme gewirkt.
- Klebefolie statt Hochspannungsgitter in allen Räumen mit offenen Lebensmitteln.
- Nicht über Lebensmitteln, Arbeitsflächen und Verpackungslinien montieren.
- Abstand zu Fenstern und Außentüren halten, von außen nicht sichtbar.
- Höhe etwa zwei Meter, in Flugrichtung der Tiere, weg von hellen Leuchten.
- Röhre einmal im Jahr tauschen, Folie bei jedem Kontrolltermin zählen und wechseln.
- Falle ganzjährig laufen lassen, in beheizten Räumen fliegen Frucht- und Abflussfliegen auch im Winter.
Türen, Fenster und Abfall unter Kontrolle
Was nicht hereinkommt, braucht keine Falle. Fliegengitter an Fenstern, die zum Lüften geöffnet werden, sind die einfachste Maßnahme, vor allem in Küchen und Produktionsräumen zur Hofseite. An Türen, die im Sommer offen stehen, hilft ein Türluftschleier: Ein Gebläse über der Tür bläst einen Luftstrom nach unten, den Fliegen nicht durchqueren. Für Lieferzugänge, Kühlräume und Durchgänge zur Produktion eignen sich Streifenvorhänge aus PVC, die sich nach jedem Durchgang schließen. Selbstschließende Türen mit Türschließer sind die Grundlage von allem, denn eine mit Kiste aufgestellte Hintertür macht jede Falle im Raum wirkungslos.
Das Abfallmanagement entscheidet, ob Fliegen überhaupt einen Grund haben, zu kommen. Restmüll mit Speiseresten und Fleischabfälle in geschlossenen Behältern mit dichtem Deckel, Biotonne im Schatten und nicht neben der Küchentür, Leerung so oft, dass nichts länger als wenige Tage steht, Behälter nach jeder Leerung ausspülen. Fleischabfälle gehören in Metzgereien gekühlt gelagert, bis der Entsorger sie abholt. Leergut wird vor dem Einlagern ausgespült, Pfandkisten stehen nicht neben der Backstube. Der Fettabscheider wird nach Plan geleert und der Deckel dicht gehalten. Wer diese Punkte im Hygieneplan festschreibt und kontrolliert, hat den größten Teil der Fliegenbekämpfung erledigt, ohne dass ein Techniker ins Haus kommt.
Eigenkontrolle nach VO (EG) 852/2004
Lebensmittelbetriebe arbeiten mit einem Eigenkontrollsystem nach den HACCP-Grundsätzen, festgelegt in Art. 4 und 5 der Verordnung (EG) 852/2004. Anhang II Kapitel IX derselben Verordnung verlangt geeignete Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen und den Schutz der Lebensmittel vor Verunreinigung. Fliegen sind Schädlinge im Sinn dieser Vorschrift. Der Betrieb legt also fest, wie er sie erkennt, wie er sie fernhält und was er tut, wenn sie auftauchen. Die Lebensmittelüberwachung fragt bei der Kontrolle nach genau diesem Nachweis, und Auditoren nach IFS Food oder BRCGS, beides private Standards, gehen die Unterlagen Punkt für Punkt durch.
Praktisch heißt das: ein Lageplan mit allen Lichtfallen und ihrer Nummer, ein Protokoll je Kontrolltermin mit Fangzahlen nach Art, ein Vermerk zu jeder Ursache, die gefunden und beseitigt wurde, Wechseldaten von Röhren und Folien, dazu der Hygieneplan für Abfall, Abflüsse und Türen. Wer die Fangzahlen über Monate fortschreibt, sieht Trends: Im Frühsommer steigen die Stubenfliegen, im Herbst kommt der Schwung Fruchtfliegen mit dem Obst. Abweichungen vom üblichen Verlauf sind das Signal, nach der Ursache zu suchen. Viele Betriebe übergeben diesen Teil an einen Fachbetrieb und binden die Fliegen in das Schädlingsmonitoring nach HACCP ein, damit Nager, Schaben und Fluginsekten in einer Dokumentation stehen.
So arbeitet der Fachbetrieb bei Fliegen
Unser Techniker beginnt mit der Ursachenanalyse und nicht mit dem Sprühgerät. Er bestimmt die Art anhand der Tiere und der Fänge, geht Müllraum, Abflüsse, Leergut, Zwischendecken und Lüftung durch und benennt den Brutplatz. Was der Betrieb selbst abstellen kann, etwa ein undichter Deckel oder ein Ablauf ohne Wasser im Siphon, steht im Bericht für Hausmeister oder Küchenleitung. Was Bekämpfung braucht, erledigt er: Larven im Abfall behandeln, Biofilm entfernen, Kadaver bergen und die Stelle desinfizieren, bei starkem Befall Ruheplätze der Fliegen an Wänden und Decken in Räumen ohne offene Lebensmittel behandeln. Die eingesetzten Mittel stehen mit Sicherheitsdatenblatt in der Dokumentation.
Die UV-Lichtfallen bieten wir zur Miete oder zum Kauf an, so benannt und getrennt ausgewiesen. Bei Miete gehören Röhren- und Folienwechsel zum Kontrolltermin, bei Kauf gehören die Geräte dem Betrieb und wir warten sie im Rahmen der Kontrollen. Jeder Kontrolltermin hat einen Festpreis je Termin. Der Techniker zählt die Folien aus, trägt die Zahlen je Standort ein, tauscht Folien und bei Bedarf Röhren und sucht bei steigenden Zahlen die Ursache. Die Abstände der Kontrollen legen wir mit Ihnen nach dem Risiko des Betriebs fest, eine Metzgerei anders als ein Getränkelager. Wie viele Termine nötig werden, entscheidet der Befall.
Ein typischer Fall: In einer Metzgerei in Menden an der Hönne sitzen im Juli Schmeißfliegen an der Theke. Der erste Blick geht in den Abfallraum, der zweite in den Bodenablauf der Produktion, in dem sich Fleischreste gesammelt haben. Ablauf reinigen, Abfallraum kühlen, Streifenvorhang zur Rampe, Lichtfallen in Verkaufsraum und Produktion, danach zählen. Genauso gehen wir in Bäckereien in Plettenberg, in Küchen von Pflegeeinrichtungen im Sauerland und im Lebensmittelhandel vor. Arten und Ablauf im Einzelnen stehen auf der Seite Fliegenbekämpfung. Am Telefon klären wir, was zu tun ist, was der erste Termin kostet und wann ein Termin möglich ist. Termine sind meist innerhalb von 1 bis 2 Werktagen möglich, bei akutem Befall oft noch am selben Tag. Gezahlt wird per Rechnung.
Rechtslage in Kürze
- Lebensmittelunternehmer sehen geeignete Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen vor und schützen Lebensmittel vor Verunreinigung. (VO (EG) 852/2004 Anhang II Kapitel IX)
- Eigenkontrolle auf Grundlage der HACCP-Grundsätze; daraus folgt die Dokumentation der Schädlingsüberwachung. (VO (EG) 852/2004 Art. 4 und 5)
- Das Verbot von Klebefallen gilt für Wirbeltiere; Klebefolien in UV-Lichtfallen gegen Fliegen und andere Insekten sind zulässig. (TierSchG § 13 Abs. 1)
Diese Punkte fassen die Gesetzeslage zusammen und ersetzen keine Rechtsberatung. Im Einzelfall entscheiden Behörde oder Gericht.
